Vorstellungsgespräch



Da war ich jetzt in China, in Ingolstadt, in Ungarn.

Ganz schön viele Erfahrungen gesammelt. Kaum bin ich zurück heißt es "Wollen Sie sich nicht auf eine qualifiziertere Stelle bewerben?"

"Entschuldigen Sie, aber ich bin dafür nicht qualifiziert genug."

Teamleitung zu übernehmen. Eine sehr imposante Aufgabe. Dennoch beherrscht hier immer noch eine Männerdomäne das Feld.

Obwohl mir im Moment zu nichts der Sinn steht, habe ich mich überreden lassen, mich bei der anderen Abteilung vorzustellen.

Der dortige Chef schaute skeptisch. Kein Wunder, man sieht mir meinen Gefühlszustand an. Und eigentlich hatte ich auch eine "leckmichamArsch-Einstellung". Egal, ob ich den Job bekomme oder nicht. Mich interessiert es eigentlich im Moment nicht.

Die Motivation ist gerade pfutsch.

Ich dachte , er wird es eh merken, er wird mich eh über den Tisch reden, durch den Kakao ziehen. Wie war das doch gleich, mein Vater ist doch Derjenige.

Und dann wurde ich folgendes gefragt: " Frau K. , ich bin eine Fee"

"wie bitte?" hinterfragte ich, so als ob ich es nicht richtig verstanden hatte. Er und eine Fee? Das überstieg meine Vorstellungskraft enorm. Er , der etwas gesetztere, übergewichtete kleine Mann im Anzug, eine Fee?

Ich hüstelte kurz, räusperte mich.

Er wiederholte: "Ich bin eine Fee und Sie haben jetzt einen Wunsch frei. Freie Berufswahl. Welchen Beruf würden Sie sich denn wünschen?

Hoppla, eine Fangfrage also.

 

Mich wunderte, ich überlegte nicht lange und gab ihm zur Antwort.

Ich würde gerne eine Fee sein.

Als er zu mir sagte, dass das kein Beruf wäre, dann fragte ich ihn im Gegenzug, was die Frage, die beruflich für ihn doch wohl keinen Sinn ergibt, dann bitteschön bei einem Vorstellungsgespräch zu suchen habe?

Er staunte, schaute, staunte, schaute und lächelte, dann lachte er.

MMh, er meinte wohl später, ich hätte gute Chancen.

Ich gab ihm noch einen Tipp, sich doch bitte, wenn schon, eine männliche Gestalt, aus dem Fantasybereich rauszusuchen.

Ich nannte ihm Namen wie Albus Dumldedore oder Rincewind und hoffte, er konnte mit meinen Ratschlägen etwas anfangen. An seinem Gesichtsausdruck war jedoch zu erkennen, dass er keine Ahnung hatte.

Und so jemand will mir erzählen, er wäre eine Fee.

pah!

 

Dennoch verlief das weitere Gespräch sehr positiv und gut. Und doch möchte ich diesen Job nicht. Komisches Gefühl hinterher.

Und schon kam sie wieder "die leck mich am Arsch-Einstellung".

Merkwürdig.

Oder aber, nichts ist mehr so wie es war. Ohne ihn. 

 

 


 

 

 

9.9.08 17:30

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