Alle meinen es doch nur gut..

Mir geht’s beschissen. Ich denke die ganze Zeit darüber nach wie es ihm geht und das macht mich gerade fix und fertig.  

 

Trotzdem weiß ich irgendwie, dass er viele Menschen hat die zu ihm stehen, ihm helfen. Auch zuhause. Zum Beispiel N. Ich möchte sie nicht mehr seine EX nennen. Sie ist für die Familie da, bringt sich ein, hört ihm zu. Mmmh, ja hilft ihm dort, da wo er aufgrund von Logistikproblemen nicht sein kann.  Wenn ich jetzt schreibe, dass ich so gerne das  Gleiche  machen würde, so gerne machen würde. Verdammt.

 
Es freut mich, dass die Beiden sich so gut verstehen und irgendwie noch eine Einheit sind. 
Und das sind sie.  Sie ist eine starke selbstbewusste Frau und ich denke, sie tut ihm wieder gut.  

Schön für Beide und wichtig. Aber für mich war das immer mit einer ungeheuren Angst verbunden. Auch wenn er immer zusicherte, dass es nicht so sein würde. Trotzdem ist sie eine kraftvolle Persönlichkeit, auf die er sehr hört und die er sehr schätzt. Was ich jetzt nicht als Nachteil werten möchte, um das doch klarzustellen.

Mich freut es, wenn sie für ihn da ist.  

Gestern waren wir bei der Nachbarin, deren Mann sich letzte Woche erhängt hat. 

Nur noch Dramatik um mich herum. 

Wir haben ihr Beileid gewünscht und mit ihr geredet. Ihr Mann hatte Krebs, Leukämie, unheilbar. 6 Jahre hat er die Krankheit von Chemo zu Chemo mit rumgezogen. Wie uns Frau W. jetzt erzählt hat, stand im Arztbericht, dass er vermutlich nur noch ein paar Monate zu leben hätte. Er konnte nicht mehr und hat sich erhängt. Für die Nachbarin unfassbar, sie hatten ihn wohl eine ganze Nacht und einen Tag lang gesucht. Ihr geht’s schlecht, hat abgenommen, hat viel geweint. Man sieht es an ihrem Gesicht, ihren roten Augen.  

Da denke ich wieder, ja es gibt viele Menschen denen es vielleicht viel schlechter geht. 

Wir waren 2 Stunden dort und ich redete und redete, tröstete und tröstete, nahm sie in den Arm, küsste sie auf die Wange. Ich wusste ich tue ihr gut. Gleichzeitig aber spürte ich bei der Umarmung auch diese Nähe, die Nähe, die ich immer bei meiner Mama empfunden hatte.  Und sie war eine der besten Freundinnen meiner Mutter. Ja, sie fehlt mir schon wieder so sehr.  

Als wir gingen hat ich Frau W.  nochmal ganz fest in den Arm genommen mich geküsst und gemeint „Sandra du bist halt wirklich so ein ganz gutes Mädel, dein Papa kann stolz sein, so eine Tochter zu haben“ .  

Naja, bin ich wirklich gut? Schließlich habe ich ja weh getan, verletzt ?! Ich mag gut sein, o.k. aber auch stupid. Glaube ich langsam.  

Das gestrige Gespräch hat mich auch wieder nachdenken lassen. Ich weiß, dass ich Menschen sehr viel geben kann und sie es auch dankbar annehmen.  Ich konnte schon immer helfen, anderen Leuten durch Zuspruch Kraft und Trost geben. . Doch mir selbst im Moment helfen bleibt mir versagt. :hangover: Wie kann man so stur sein? So dickköpfig? 

John (mein Kollege) hat es im Moment sehr schwer mit mir. Ich sagte vorhin zu ihm, dass er ja über eine Woche Ruhe vor mir habe und ich ihn mit meiner miesen, schlechten und traurigen Laune nicht mehr auf den Nerv gehen würde. 

Er meinte nur : „schlechte Laune? Davon merkt er nichts. Er sieht nur ein sehr trauriges Gesicht, dass in letzter Zeit nur so selten lächelt. Aber er weiß, das das Lächeln wieder kommen wird.  Das wird die Zeit mit sich bringen. Und außerdem wird jemand kommen, der mich wieder ablenken wird. Und da gibt es ja schon Welche, die mich sehr lieb haben.

Und dann würde ich wieder glücklich werden. Es wäre immer so, wenn eine neue Liebe kommen würde, und die wird kommen. Ich wäre keine Frau, die alleine bleibt.

Ich kann das Geschwätz nicht hören. Im Moment ist mir das total zuwider. Ich will keinen Anderen im Moment.

Er, ja er, hat gemeint,ich könne ja mit L. im Urlaub Sex haben, da ich ja so ausgehungert wäre und jetzt wieder Single bin.

Klasse, Super! Tolle Aussage!

Hat mich schwer getroffen. Wie oft habe ich gerade ihm gesagt, dass ich das nur kann wenn ich emotional fühle und auch liebe. Verdammt und außerdem liebe ich ihn noch, da will ich keinen Anderen. Jetzt im Moment jedenfalls nicht und wie lange es dauert, bis ich es wieder zulasse. Ich glaube, vom Gefühl her, es dauert eine Ewigkeit.

Ja, klar, wissen wir ja alle, die liebe Zeit, die vergeht und vergessen lässt. Vergessen? mmmh? Quatsch!

Ich weiß, die Leute meinen es gut mit mir, möchten mich trösten. "Ich wäre eine tolle Frau und würde sicher einen tollen Mann finden". Scheiße, Mist, ich fluche. Ich habe doch schon einen tollen Mann gefunden. Ja, verdammt.

Könnt ihr nicht aufhören mit diesen Wünschen. Ich w i l l sie nicht hören!  

Ich weiß noch nicht ob ich mich auf den Urlaub freuen soll. Ob ich überhaupt fahren möchte. Im Moment würde ich am liebsten nach Berlin fahren. Aber ich glaube, ich überfordere ihn jetzt damit. Er meinte, er brauche Zeit, auch ob er mich überhaupt noch sehen wolle. Er wisse es noch nicht.   

 

Ich überlege gerade ob ich ihm nicht doch zu sehr schade, wenn ich ihn weiterhin, zwar selten, aber doch noch anrufe, ihn zu sehr aufwühle?  

Dabei habe ich ihm  was schönes zum Geburtstag gekauft. Zum Lachen, schmunzeln. Sein Herren-Parfüm ist ja nicht zu bekommen. Ich hoffe, es freut ihn. Ja, ich denke an ihn und will nur eines: Das es ihm bald wieder besser geht.

Denn zu wissen, das es ihm schlecht geht,  macht mich unsagbar traurig.  

Es ist merkwürdig. Er erzählt mir, dass er in vielen Foren ist. Damals habe ich ihn auch in so einem Forum kennen gelernt und er hat mir die Geschichte von N. und ihm erzählt. Eigentlich bin ich über myblog auf ihn aufmerksam geworden. 

Jetzt wird er vielen Leuten, Menschen, aus verschiedenen Foren über mich erzählen. Die Frau, die ihn so lange hat warten lassen, die Frau, die ihm weh getan hat. Menschen werden Anteil nehmen, mich verfluchen, nicht verstehen können und ihn lieb gewinnen. Ich weiss wie es mir damals ergangen ist. Jetzt stehe ich auf der anderen Seite.

Dabei bin ich selbst an die andere Uferseite aus freien Stücken  gegangen.   
 

Und auch wenn er es nicht hören will und kann und es ihm auf den Zeiger geht. Den letzten Schritt musste ich einfach tun, weil ich ihn „freigeben“ wollte. Verdammt! 

Ob sich meine Stimmung heute bessert kann ich noch nicht sagen. Der Ex von meiner Freundin ist aus Australien da, liegt mit Grippe im Bett und wir wollten eigentlich heute Nacht Richtung Italien fahren. Da er krank ist, werde ich wohl auch das Steuer des Wohnmobiles in die Hand nehmen müssen. Dabei bin ich noch nie mit so einem großen Teil gefahren. Natürlich freue ich mich auf Urlaub, Tim bei mir zu haben und von ihm mit soviel Liebe bedacht zu werden, wie es nur ein kleines Kind geben kann. Wenigstens kuschelt er mit mir. und das immer auf eine so süße Weise, dass mir das Herz aufgeht. Ja, er tut mir gut. Aber trotzdem tröstet es mich nicht und hilft mir auch nicht den Verlust leichter zu ertragen.  Da bin ich ein Dickkopf. 

Die Mutter freut sich sehr auf den Urlaub, klar, Mel freut sich auf den Urlaub, Lars weiß ich noch nich, ob er sich freutt, und ich?

Ich undankbares Wesen. 

Außerdem kann ich nicht mehr  hören „Sandra wird es gut tun, ihr wird der Kleine gut tun, sie wird abgelenkt sein?“

 
Abgelenkt durch Windeln wechseln, Berge erklimmen, Grippe-Patienten versorgen? Naja, wenn sie das meinen.  

12.9.08 08:48

bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Ben / Website (12.9.08 13:43)
Da sieht man mal wieder.. "gut meinen" ist so oft das gegenteil von "gut". Werds zum Beispiel auch nie verstehen können, wie man als gut gemeinten Ratschlag sowas geben kann wie "andere Eltern haben auch schöne Söhne" (oder eher Töchter in meinem Fall )... Wuäch. Schlimm.

Übrigens genauso wie "Er, ja er, hat gemeint,ich könne ja mit L. im Urlaub Sex haben, da ich ja so ausgehungert wäre und jetzt wieder Single bin."... Sorry, aber sowas geht echt mal garnicht. Gelesen und ohne Hintergrundwissen klingt das wie die typische schnippische-beleidigte-Leberwurst-Bemerkung. Ganz übel..

Worüber du dir allerdings keine Sorgen machen solltest ist, wie miese oder traurige Laune bei Freunden ankommt.. Es sind genau deshalb deine Freunde, weil sie dich eben auch dann mögen... Wo käm man denn da hin, wenn man nur bei Sonnenschein zueinander stehen würde.

Najoa, ansonsten... wünsch ich dir, dass du bald dein Gleichgewicht wiederfindest. Auf dem bestmöglichen Wege. Halt die Augen offen und die Ohren steif, gell.

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